Auf Vorschlag von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat der Ministerrat die Umsetzung des kostenfreien Parkens für elektrisch betriebene Fahrzeuge (reine Batterieelektrofahrzeuge, von außen aufladbare Hybridelektrofahrzeuge und Brennstoffzellenfahrzeuge) beschlossen. „Ab 1. April 2025 dürfen alle Autos mit einem ,E‘ am Ende des Kennzeichens auf allen öffentlichen Parkplätzen in Bayern bis zu drei Stunden kostenlos parken“, erläutert Herrmann.
Schon der Anfang dieser Pressemitteilung zeigt einmal mehr klar und deutlich die politischen Ziele in Bezug auf unsere Mobilität. Das Auto soll nicht weniger genutzt werden, sondern wir sollen dazu gebracht werden, das »richtige« Auto zu fahren. Nach Kaufprämie, KFZ-Steuer-Erlass also jetzt ein weiterer Vorteil für E-Autofahrer.
Soweit ich weiß, wurden die Kommunen im Vorfeld dazu nicht befragt, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt. Dabei haben sich die Verantwortlichen in vielen Orten, so wie auch in meiner Heimatstadt Schongau, vor Jahren Gedanken gemacht, wie durch ein Parkraumkonzept und entsprechende Parkgebühren die Nutzung der Parkplätze insbesondere im Stadtzentrum optimal geregelt werden kann. Zudem wollte man damit einen Anreiz schaffen, den Stadtbus zu nutzen oder den ein oder anderen Weg mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückzulegen.
Seit 1. April ist mit dieser neuen Regel der E-Autofahrer direkt dazu eingeladen, solche Überlegungen gar nicht erst anzustellen. Egal ob er sein Auto mit erneuerbarer Energie oder mit konventionell erzeugtem Strom betankt, das kleine energiesparende Stadt-E-Auto fährt oder den riesigen E-SUV, bei dessen Anblick mir immer nur das Wort »Panzer« einfällt. Zudem stelle ich mir auch die Frage: „Wie energiesparend und umweltfreundlich kann ein so großes, und damit natürlich auch viel schwereres, Fahrzeug eigentlich sein?“
Das Aushängeschild »UMWELTFREUNGLICH«, mit dem E-Autos beworben werden, müsste meines Erachtens ohnehin verändert werden in »Freundlich zu unserer Umwelt«. So schreibt selbst der ADAC auf seiner Homepage: „Die Förderung von Rohstoffen für den Bau von Elektroautos ist jedoch mit Umwelt- und Sozialproblemen verbunden – wie die Förderung vieler Rohstoffe für andere Verwendungszwecke auch. Zu nennen sind ein oft hoher Energiebedarf, das eventuelle Entstehen saurer Grubenwässer, Konflikte um begrenzte Wasservorkommen sowie nicht vertretbare Arbeitsbedingungen in Minen. Ein trauriges Beispiel ist die Kinderarbeit bei der Kobaltförderung im Kongo.“
Das deutsche Lieferkettengesetz soll Mensch und Natur in Ländern wie Kongo, Chile usw. vor Ausbeutung schützen. Angeführt werden hier
- der Schutz vor Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Diskriminierung,
- der Schutz vor Landraub,
- der Arbeits- und Gesundheitsschutz,
- das Recht auf faire Löhne,
- das Recht, Gewerkschaften zu bilden,
- der Schutz vor umweltrechtlichen Verstößen.
Dass all dies bei der Gewinnung insbesondere der Batterie-Rohstoffe überprüft und eingehalten wird, ist für mich schwer vorstellbar.
In einem Infopapier der »Deutschen Umwelthilfe« mit dem Titel »Wie umweltverträglich sind Elektroautos?« steht bei der Zusammenfassung als erster Punkt:
„Nur eine umfassende Mobilitätswende mit deutlich weniger Autos und einem Umstieg auf Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr ermöglicht eine klimaverträgliche und umweltgerechte Mobilität. Diese Dinge sollten von der Politik priorisiert werden und nicht der 1:1-Ersatz konventioneller Autos durch Elektroautos.“
Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen außer, dass wir dazu eine Bundesregierung bräuchten, die dies auch so sieht und dann tatsächlich mit entsprechenden Maßnahmen voranbringt.
Renate Müller, Schongau
Neueste Kommentare